Wer bisher von Bonn sprach, meinte damit meistens die ehemalige Bundeshauptstadt bzw. die Bundesstadt, die Beethovenstadt, die Universitätsstadt oder die VN-Stadt. Seit kurzem kommt ein weiteres Markenzeichen hinzu: Die Marinestadt. Seit November 2009 jedenfalls steht fest, dass der künftige dritte Einsatzgruppenversorger (EGV) der Deutschen Marine den Namen „BONN“ tragen wird. Diese Namensgebung beruht auf einer Patenschaftsvereinbarung zwischen Stadt und Marine, die wiederum auf eine Initiative des „Gesprächskreises Rheinland“ der Reservistenvereinigung „Reunion der Deutschen Marine“
(1. Sprecher: Botschafter a.D. Heldt) zurückgeht.
Hierbei stand die politische Überlegung Pate, das Jubiläumsjahr des Grundgesetzes (2009: 60 Jahre) zum Anlaß zu nehmen, mit den Namen der Schiffe des EGV-Verbandes weltweit sichtbar an die demokratische Verfassungstradition in Deutschland anzuknüpfen. Neben den bereits im Einsatz befindlichen EGV BERLIN und FRANKFURT AM MAIN –stellvertretend für den Sitz von Bundestag und Bundesrat sowie für die Nationalversammlung der Frankfurter Paulskirche – soll nun mit dem dritten EGV an Bonn als die Stadt des Grundgesetzes und der Parlamentsarmee – sowie mit einem späteren vierten EGV – an Weimar als die Stadt der Nationalversammlung und der Reichsverfassung von 1919 erinnert werden.
Hinzu kommt, dass der Schiffstyp EGV nicht nur militärischen, sondern – wie der Einsatz der BERLIN beim Tsunami gezeigt hat – auch humanitären Zwecken hervorragend zu dienen geeignet ist. Er steht damit für die deutsche Bereitschaft, sich insoweit auch im maritimen Sektor weltweit zu engagieren. Da auch Bonn als allseits anerkannte und beliebte VN-Stadt den internationalen Anspruch unseres Landes verkörpert, lag es nahe, den Schiffstyp EGV mit dem Namen Bonn zu verbinden. Nur am Rande sei noch vermerkt, dass sich Bonn – im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Städten – nunmehr erstmals auf der Liste der Schiffsnamen aller deutschen Marinen seit 1848 wiederfindet.
Um dem Titel Marinestadt aber auch in der Praxis gerecht zu werden, liegt es an Marine und Stadt, die beschlossene Patenschaft mit Leben zu erfüllen. Wie die Erfahrung mit anderen Schiffspatenschaften zeigt, nehmen Marine und Städte hierbei gerne zivilgesellschaftliche Unterstützung, vor allem durch sog. Freundeskreise in Anspruch.
Hiervon ausgehend hat sich in Bonn – wiederum auf Initiative der Reunion - eine Gruppe interessierter Bürger zusammengefunden, um einen „Freundeskreis Einsatzgruppenversorger BONN“ ins Leben zu rufen. Diese Organisation wurde am 1. September 2010 im Universitätsclub Bonn als rechtsfähiger Verein gegründet.
Hauptziel des Kreises ist es, durch intensive Informations-, Besuchs- und Betreuungsprogramme eine lebendige Verbindung zwischen Stadt und Besatzung nicht zuletzt mit dem Ergebnis herzustellen, dass Marine und Besatzung stolz auf „ihre“ Patenstadt und die Patenstadt stolz auf „ihr“ Patenschiff und dessen Besatzung sein können.